Der Ergebnisbericht zum Personalbedarf der Pflege liegt vor !

pdfBFLK-Studie-2020.pdf

Im Jahr 2019 hat die BFLK gemeinsam mit der FH der Diakonie, Bielefeld eine Studie zum Personalbedarf der Pflege in unterschiedlichen Settings der Erwachsenenpsychiatrie und der Psychosomatik durchgeführt. Der Ergebnisbericht liegt jetzt vor und kann auf dieser Homepage heruntergeladen werden. Damit Sie etwas Appetit auf das Thema und die Ergebnisse bekommen, folgen Auszüge aus der Fragestellung, Zielsetzung und der Zusammenfassung. Die Bundesfachvereinigung Leitender Krankenpflegepersonen der Psychiatrie e.V. (BFLK) beauftragte die Fachhochschule der Diakonie Bielefeld damit,

den Personalbedarf der Pflege für die Krankenhausbehandlung in der Erwachsenenpsychiatrie und Psychosomatik zu ermitteln. Die Personalbemessung soll den Patientenbedarfen gerecht werden. Gleichzeitig soll überprüft werden, ob und inwieweit sich verschiedene Aufwandsgruppen über unterschiedliche Settings abbilden lassen. Das bei Löhr et al. (2016) aufgezeigte Modell einer Personalbedarfsberechnung im Settingbezug sollte also operationalisiert und genau berechnet und damit auch inhaltlich validiert werden. Die Berechnung des Personalbedarfs soll verständlich und transparent gestaltet werden, die Umsetzung des Modells soll wenig Bürokratieaufwand verursachen. Optimalerweise könnte mit dem Modell gleichzeitig ermöglicht werden, den bedarfsgerechten Einsatz von Personal zu ermöglichen. Nach §136a (2) SGB V sollen „Mindestvorgaben für die Ausstattung der stationären Einrichtungen mit dem für die Behandlung erforderlichen therapeutischen Personal […] möglichst evidenzbasiert sein und zu einer leitliniengerechten Behandlung beitragen […].“ Vor allem in der Psychiatrischen Pflege sind neben krankheitsbezogenen Interventionen weitere Aufgaben für die Personalbemessung relevant, wie beispielsweise die Präsenz und Begleitung, die Tagesstruktur oder die Gewährleistung von Patientensicherheit. Im Auftrag der BFLK sollte die vorliegende Studie die pflegerischen Personalbedarfe für unterschiedlich aufwändige Patientengruppen berechnen. Für eine bürokratiearme Berechnung wurden verschieden pflegeaufwändige Patientengruppen über unterschiedliche Settings dargestellt. Aus der Literatur wurden alle Pflegetätigkeiten ermittelt. 117 Pflegeexpert*innen aus unterschiedlichen Fachbereichen schätzten die Soll-Zeiten dieser Pflegetätigkeiten für die Patienten*innen in den verschiedenen Settings ein, daraus wurden Personalbedarfe abgeleitet und als Patient-Pflegefachperson-Relationen berechnet. Die Ergebnisse bestätigen, dass das Tätigkeitsspektrum der psychiatrischen Pflege sich seit den 1980er Jahren erweitert hat und die Hilfe-/Therapie- und Pflegebedarfe der Patient*innen zunahmen. Die von 1990 – 2019 gültige Psychiatrie-Personalverordnung bildet die Pflegeaufwände nicht mehr angemessen ab, v.a. in der Tagesklinischen Behandlung, in der Gerontopsychiatrie sowie in allen Settings während der Intensivbehandlung steigen die Personalbedarfe deutlich. Auch die Frage der Aufnahmeverpflichtung einer Einheit zeigte sich als relevant. Die pflegerische Personalbedarfsberechnung über Settings zeigt sich als machbar, bürokratiearm und aufwandssensitiv. Bei den Zeiteinschätzungen durch die Expert*innen erforderten die detaillierten und kleinteiligen Abfragen umfängliche Plausibilitätsprüfungen. Die ermittelten Werte stellen somit Näherungswerte dar. Eine Einschätzung der Zeitwerte in der Kinder- und Jugendpsychiatrie sollten noch erfolgen; ebenso die Beschreibung der Tätigkeiten der anderen Berufsgruppen (z. B. Ärzt*innen, Psycholog*innen, Spezialtherapeut*innen) und deren Zeitwerte-Einschätzungen. Insgesamt liefert diese Studie erstmals auf der Basis validierter Sollprozesse und Experteneinschätzungen konkrete Zahlen zum quantitativen Personalbedarf der Pflege im psychiatrischen Krankenhaus für die Bereiche Erwachsenenpsychiatrie und Psychosomatik. Diese Zahlen liegen deutlich über der aktuellen Besetzung im Pflegedienst – damit ist aktuell von einer deutlichen Unterversorgung in der Pflege auszugehen. Die Zahlen zeigen auch, dass die Orientierung an den Behandlungsleitlinien die insgesamt notwendigen Personalaufwände nur zu einem kleinen Teil spiegelt. Die vorliegende Erhebung wird neben Therapieerfordernissen auch weiteren Hilfebedarfen der Patient*innen und Sicherheitsfragen gerecht. Das zugrundeliegende Berechnungsmodell belegt, dass eine bürokratiearme Abbildung unterschiedlicher Aufwände über Settings möglich ist. Für die Pflege zeichnet sich ab, dass die Anzahl der Levels reduziert werden könnte. Da die Daten für die anderen Berufsgruppen noch erhoben werden müssten, kann noch keine Aussage getroffen werden, ob die derzeitigen Levels „berufsgruppensensitiv“ sind oder vielleicht erweitert werden müssen. Möglicherweise erfordern auch spezielle Klientelgruppen – z.B. Menschen mit intellektuellen Entwicklungsstörungen – die Beschreibung weiterer Settings oder Levels. Nicht Bestandteil der Studie waren Fragen der Implementierung (incl. der Frage des Managements von Fachkräftemangel), der Kontrollen und der Sanktionierung. Auch muss eine Regelung zur fortlaufenden Aktualisierung gefunden werden. Das Berechnungsmodell scheint wenig fehlanreizanfällig zu sein. Die Debatte über die Stationsgrößen muss gesondert und dringlich geführt werden. Sobald Zahlen für die anderen Berufsgruppen vorliegen, könnte für alle Tätigkeiten geprüft werden, inwiefern diese von mehreren Akteuren angeboten werden können. Hier ließen sich dann Korridore für Personalverschiebungen zwischen den Berufsgruppen festlegen, was den Kliniken mehr Flexibilität ermöglicht.

Viel Spass beim Lesen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Rainer Kleßmann

(1. Vorsitzender)

Tags: berufspolitik, Setting, Setting-Modell, BFLK-Studie, Personalbedarf, Psychiatrische Pflege

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